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    Heute schon ein Kompliment bekommen?

    von Veronika Schmidt 3 min lesen.

    Letztens stand ich an der Kasse vom Supermarkt und während ich gedankenverloren all die Produkte, die die Kassiererin im Eiltempo über das Band zog, in meinen Taschen verstaute, rief jemand zu mir rüber: „Hey, schöne Schuhe!“. Ich war komplett perplex und irritiert, weil ich einerseits nicht mehr mit dem Einräumen hinterherkam und ich andererseits, diese Aussage gar nicht zuordnen konnte. Was wollte diese junge Frau von mir? Und deshalb murmelte ich einfach nur schnell „Danke“ und versuchte weiter das Lebensmittel-Chaos vor mir zu ordnen. Als ich den Supermarkt verließ, fiel mir auf, dass ich sofort etwas Negatives erwartet hatte. Ich ging davon aus, dass die junge Frau sicher irgendwelche Hintergedanken hatte. 

    Ganz so, als könnte man ein Lob nicht einfach so geben. Und diese Erkenntnis stimmte mich ein wenig traurig. Denn so ein Kompliment – gerade von jemand Fremden – kann einem wirklich den Tag versüßen und bereichernd sein. Nachdem ich mich vom ersten „Schock“ erholt hatte, machte sich nämlich ein Gefühl der Freude in mir breit.

    Doch warum fällt uns Lob so viel schwerer als Kritik? Dabei gibt es zahlreiche Gründe, warum wir mehr Komplimente verteilen sollten. Welche das sind, erfährst du in diesem Text.

    Wann hast du das letzte Mal jemanden gelobt? Oder ein Kompliment bekommen? Ganz ehrlich, ich musste auch erstmal länger nachdenken. Denn wir gehen sehr, sehr sparsam damit um. Das liegt einerseits an unserer Kultur (ja, die Deutschen verteilen seltener Lob als andere Nationen), und andererseits irritiert uns Lob auch in vielen Fällen, weil wir es nicht gewöhnt sind. Dabei haben Komplimente so viele positive Nebeneffekte: für beide Seiten.

    Denn Lob wirkt sich sowohl auf Körper als auch die Seele aus und zählt nach neurobiologischen Ergebnissen zu den stärksten psychoaktiven Stimulanzen, die der Mensch kennt. 

    Komplimente fühlen sich so gut an, weil unser Körper Belohnungsstoffe – Opioide – ausschüttet, deren Wirkung nahezu identisch mit der von synthetischen Drogen ist. Unser Selbstbewusstsein wird gestärkt, wir sind motivierter und produktiver. Was auch im beruflichen Kontext Vorteile bietet.

    Eine Welt ohne Lob? Dazu hat Neurologe Gerhard Roth, der seit Jahrzehnten erforscht, wie Komplimente wirken, eine ganz klare Meinung: „Ohne Lob kollabiert die Gesellschaft! Es gäbe einen sofortigen Motivationsverlust. Beziehungen würden nicht mehr angebahnt. Die Menschheit stürbe aus.“

    Mit dem Thema befasste sich auch Rosa Stark. 2014 machte die Bloggerin und Psychologie- und Philosophiestudentin jeden Tag ein Kompliment – an Fremde und Bekannte. Entstanden ist die Idee in Paris, am Gare du Nord. Dort nahm Rosa in den Menschenmassen eine unheimlich schöne Frau wahr und haderte, ob sie ihr das auch sagen sollte. Letztendlich fasste sie sich ein Herz und sprach sie folgendermaßen an: „Sie sehen aus wie ein Kunstwerk“. Die Reaktion – eine spontane Umarmung – war so schön und inspirierend, dass daraus das Projekt „A compliment a day“ entstand. 

    Auf ihrem Blog berichtete sie von ihren Begegnungen, den Reaktionen auf ihre Komplimente und auch von ihren Gefühlen und Eindrücken. 

    Schaut gerne mal vorbei, denn auch wenn das Projekt schon ein paar Jährchen her ist, versprühen ihre Texte immer noch so viele gute Vibes.

    Puh, Komplimente an Fremde zu verteilen, da tu ich mir immer noch schwer. Doch ich nehme mir vor, im Freundes- und Familienkreis achtsamer zu sein. Und positive Gedanken auch einfach mal auszusprechen. Denn ein Lob wird eigentlich immer mit großer Freude angenommen – und auch mich macht es glücklich zu sehen, was ein paar nette Worte bei anderen bewirken. 

    Aber genauso wichtig ist es, Komplimente auch annehmen zu können – ohne Skepsis und ohne, dass man sein Licht unter den Scheffel stellt. Ihr merkt, da ist noch einiges zu tun. Bei euch auch? Aber irgendwo muss man ja anfangen. 😉

    Alle Beiträge unserer Redaktion findest du hier. Zum caracda Journal.