VERLÄNGERTES RÜCKGABERECHT BIS 31. JANUAR 2023

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    Einfach mal nichts tun...

    von Veronika Schmidt 3 min lesen.

    Und da rauscht sie an mir vorbei.

    Mist, U-Bahn verpasst. Und das heißt am Wochenende leider: 10 Minuten warten.

    Erstmal ärgere ich mich tierisch. Ich hätte in der verlorenen Zeit definitiv was Besseres machen können. Und denke an Wäsche abhängen, an das Paket, das ich noch abholen muss und daran, dass ich noch dringend meine Fahrradlichter laden sollte. 

    Kurz: Ich hätte effizient sein können.

    Und gleichzeitig wird mir bewusst: Anscheinend versuche ich meine Zeit oft, so gut wie möglich durchzustrukturieren, damit ja kein Leerlauf entsteht. Denn Warten ist Zeitverschwendung und Trödeln etwas, das wir irgendwann am Ende unserer Kindheit verlernt haben. 

    Warum eigentlich? Sind denn nicht genau diese Momente alles andere als sinnloser Zeitvertreib?

    Trödeln - im Vergleich zu uns Erwachsenen haben Kinder diese (für uns manchmal auch nervige) Superpower noch. Sie halten Inne, leben ganz im Moment und erfreuen sich an den kleinen Dingen, die um sie herum passieren. 

    Klar, mit dem Erwachsenwerden kommen Verantwortung, Zeitdruck und Termine hinzu – doch dazwischen muss doch noch etwas Zeit für da süße Nichtstun sein, oder? Und dazu zählt nicht unbedingt sich eine Stunde Reels auf Instagram reinzuziehen oder eine Serie nach der anderen auf Netflix gucken. Viel wichtiger ist es, bewusst zu pausieren und sich einfach mal durch den Tag zu träumen. Sich auf eine Parkbank zu setzen, die Menschen um sich herum zu beobachten und sich in Gedanken zu verlieren. 

    So richtig analog, ganz ohne Handy in der Hand.

    Doch warum fällt uns das so schwer? 

    „Wir leben in einer Beschleunigungsgesellschaft, in der das Gefühl des Gehetztseins zum Dauerzustand geworden ist“, schreibt Ulrich Schnabel in seinem Buch Muße. Vom Glück des Nichtstuns, „Leistung wird über alles gestellt, zweckfreier Müßiggang gilt dagegen als unproduktiv.“

    Was dabei auf der Strecke bleibt, obwohl wir es uns oft sehnlichst wünschen: „[…] die Ruhe zum Nachdenken und die Wertschätzung unseres Lebens selbst“, so Schnabel.

    Das Trödel 1x1

    Doch wir können die Fähigkeit zum Trödeln und Faulenzen wieder erlernen. Wie? Ganz einfach:

     

    Zelebriert unfreiwillige Pausen

    Der Zug hat schon wieder Verspätung? Die Schlange vor dem Supermarkt ist unfassbar lange? Perfekt! Gönnt euch diese Minuten, lasst eure Gedanken schweifen und vergesst für einen Moment alle To-Dos. Wenn wir das regelmäßig tun, kann es dazu führen, dass wir uns von äußeren Taktgebern unabhängiger machen und unseren Alltag achtsamer bestreiten.

     

    Macht euch frei von Verpflichtungen und Erwartungen

    Wir müssen uns nicht dafür rechtfertigen Nichts zu tun. Oder das sonnige Wochenende nicht im Freibad oder in den Bergen zu verbringen, wenn wir stattdessen lieber faul auf der Couch chillen wollen. Es hat sich in unserer Gesellschaft etabliert, aktiv und effektiv zu sein. Wer dem nicht folgt, fällt aus dem Raster und meint, sich erklären zu müssen. Eigentlich totaler Quatsch! Denn „Nein“ zu sagen und sich für Me-Time, anstatt Ausflug zu entscheiden, vollbringt manchmal wahre Wunder.

     

    Setzt auf Mono- statt Multitasking

    Telefonieren, nebenbei noch eine Mail zu Ende schreiben und gleichzeitig das Mittagessen reinspachteln – was früher teilweise für Bewunderung gesorgt hat (weil anscheinend super effektiv), ist heute eher verpönt. Viel wichtiger ist es, sich für eine Aufgabe zu entscheiden und sich dabei auch von reinflatternden Mails und Anrufen nicht ablenken zu lassen. To-Dos nacheinander zu bewältigen ist nicht nur entspannter, sondern auch – psssst – effektiver. Und so bleibt oft am Ende des Tages sogar noch Zeit für Dinge, die uns glücklich machen.

     

    Nehmt euch kreative Auszeiten

    Kognitionswissenschaftler Andrew Smart weiß: „Auch wenn unser Geist für intensive Aktivitäten außerordentlich gut entwickelt ist, muss unser Gehirn, um normal funktionieren zu können, sehr häufig müßig sein.“ Während wir uns Auszeiten nehmen, wird das Ruhezustand-Netzwerk im Gehirn aktiviert. Es sortiert, reflektiert und verknüpft Empfindungen und Erinnerungen zu neuen Ideen. Konkret heißt das, wenn wir z.B. Spazieren gehen oder eine Klangmeditation machen, werden wir kreativer und steigern gleichzeitig unser emotionales Wohlbefinden.

    Die Bahn fährt ein. Und ich merke, wie dankbar ich für diese 10 Minuten Auszeit war. Dafür, dass ich mal Zeit hatte, gewisse Verhaltens- und Denkmuster zu reflektieren. Und als ich die Treppe hochlaufe und die Straße gerade überqueren will, springt die Ampel auf Rot. 

    Wahrscheinlich wäre ich in der Vergangenheit oft noch schnell drüber gehuscht. Doch jetzt bleibe ich stehen. Genieße eine weitere kurze (Zwangs-) Pause, bevor mein Leben wieder Fahrt aufnimmt. 

     

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